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uweko
Gast


Der Fußballfan Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Der Fußballfan
- Ein Definitionsversuch am eigenen Beispiel


Ich bin seit 30 Jahren bekennender Fußballfan, genauer gesagt: Fußballvereinsfan. "Mein" Verein ist der VfL Osnabrück.

Wie es dazu kam? Nun, in meinen Kindertagen habe ich mich nur wenig für Sport interessiert. Aktiv war ich zwar im Kindergarten- und Grundschulalter im Sportverein. Da war aber hauptsächlich Turnen und Schwimmen angesagt. Bei uns im Häuserblock war ich der einzige Junge. Mit den Mädchen habe ich dann schöne Sandkuchen gebacken und ähnliche Dinge gemacht. Fußbälle gab's keine. Und passiv (d.h. vor der Glotze) war mir Sport völlig Schnuppe. Wenn sich mein Vater am Samstagabend die Sportschau anguckte, verbrachte ich diese Zeit meist in der Badewanne.
Trotzdem ist es im Nachhinein recht verwunderlich, dass ich nicht schon früher vom Fußballvirus befallen wurde, denn bis 1972 haben wir direkt am Stadion des VfL Osnabrück gewohnt und konnten aus dem Schlafzimmerfenster ungefähr die Hälfte des Spielfeldes beobachten.
Im Spätsommer 1980 habe ich mich erstmals entschlossen, mir ein Spiel live anzuschauen. Was die Männer auf dem rasen zeigten, begeisterte mich ebenso sehr wie die Atmosphäre im Stadion, die Sprechgesänge und das ganze Drumherum. Im Verlauf der Saison habe ich dann kaum noch ein Heimspiel verpasst. Die Eintrittskarten wurden dabei großzügigerweise von Eltern oder Großeltern finanziert. Nur die obligatorische Bratwurst mit Cola zur Halbzeitpause musste ich mir selbst kaufen. Damals hatte ich das Glück, dass die Mannschaft so gut war, dass sie in der damaligen "2.Liga Nord" ganz oben mitspielte. Entsprechend gab es viele Siege zu bejubeln. Aufgestiegen sind sie dann allerdings nicht, aber ich hatte mir im Verlauf dieser Saison so viel Fachkenntnis und Kritikfähigkeit erworben, dass ich wusste, woran es denn haperte.
Natürlich habe auch ich davon geträumt, ein berühmter Fußballer zu sein. Im Alleingang habe ich jeden Ball ins Netz befördert und dabei die besten Torwarte der Welt alt aussehen lassen. Aber ich wusste auch, das die Realität gaaaanz anders aussieht: Ich habe zwei linke Füße!
Bis heute kann ich die Male, wo ich selbst auf dem Bolzplatz stand, an zwei Händen abzählen. Die meisten Einsätze hatte ich bei der Bundeswehr. Dort wollte mein bester Freund und Kamerad nicht mehr gegen mich spielen, weil sich in meinem Abwehrverhalten stets unbändiger Ehrgeiz mit technischem Unvermögen in äußerst unglücklicher Konstellation paarte. Es bedeutete nämlich, dass ich statt des Balles die Knochen von Thomas traf und er dann mindestens für den Rest des Spieles außer Gefecht war. Absicht war es wirklich nie....ehrlich!!!

Um es zusammenzufassen: Ich war nie Fußballer, weder im Verein, noch sonstwo. Ich bin auch nie Mitglied eines Fußballvereins geworden. Es hat auch nie wieder eine Fußballsaison gegeben, wo ich so oft im Stadion war, wie in der Saison 1980/1981.

Aber trotzdem hängt mein Herz seit jener Zeit am VfL Osnabrück - obwohl der Verein mehrmals in Liga 3 abgestiegen ist und obwohl in den 30 Jahren auch viel Bockmist gebaut wurde. Seit 1993 wohne ich nun in Ascheberg ... 80 Kilometer von Osnabrück entfernt. Es wäre viel leichter für mich, mich innerlich für einen der Vereine zu engagieren, die mir örtlich näher sind: Borussia Dortmund, Schalke 04, RW Ahlen oder Preussen Münster.

Aber nein, mein Herz schlägt lila-weiß (Das sind die Vereinsfarben von "meinem" VfL). Pro Saison habe ich in den letzten Jahren maximal 5 Spiele im Stadion verfolgt. Aber ich habe mich per zeitung und/oder Internet immer auf dem Laufenden gehalten. Auch heute noch fiebere ich am "Liveticker" mit oder schaue mir Spiele im TV an (Wenn denn mal eines vom VfL gezeigt wird).

Jetzt ist gerade wieder eine Saison vorbei. Eine gute Saison: Als Meister der 3. Liga aufgestiegen, im DFB-Pokal große Gegner wie Hansa Rostock, Hamburger SV und Borussia Dortmund besiegt ....
Jetzt ist Pause. Aber nicht wirklich: Viel zu interessant ist es jetzt mitzubekommen, was in Vorbereitung auf die nächste Saison für Fäden gezogen werden. Welche neuen Spieler werden angeheuert? Wer wird verkauft?...

Nein, ich bin nicht Vfl-Fan, weil ich der irrigen Meinung wäre, dies sei der geilste Verein der Welt. Nein, es ist mein Verein, weil ich mich da auskenne, weil ich die Historie der letzten 30 Jahre verfolgt habe und vielleicht auch, weil ich im gleichen Stadtteil geboren bin, wo der Verein seine Heimat hat. Und auch, weil es mir Spaß macht, den lila-weißen schal aus der Sockenschublade zu holen, mit bekannten gesichtern im Fanblock zu stehen und die Vereinshymne "Wir sind alle ein Stück VfL Osnabrück" mitzugrölen.

Und eines müsst ihr mir glauben, denn das ist Fakt seit nunmehr 30 Jahren: Wäre ich Präsident, Manager, Talentscout oder Trainer beim VfL, dann ... ja, dann würde kein Sau mehr über den FC Bayern München sprechen, dann wären "wir" die absoluten und unangefochtenen Champs in der Champions League! Da bin ich mir 100%-tig sicher!! Cool

15.05.2010 16:28
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